„Die Stadt wartet nicht
mehr auf den Touristen – sie beginnt
selbst global zu zirkulieren“, stellt der Kulturtheoretiker Boris Groys
fest. Neue Formen des kulturellen Austauschs, bedingt zum Beispiel durch Migration
und durch globalisierte Arbeitswelten verändern die Formen in denen wir ‘dem
Fremden und Unbekannten´ begegnen. Der Stadtbewohner wird zum Touristen
in der eigenen Stadt und die Touristen, Geschäftsleute, Ausstellungsbesucher,
Freunde oder Austauschschüler werden zu Kurzzeit-Bewohnern. Globale Lebensstile
setzen sich in einer historisch einmaligen Stadt fest.![]()
„Bremen ist als Tourismus-Standort auf dem Vormarsch“, so die Erfolgsmeldung aus der Bremer Touristik Zentrale Anfang 2004. Aber nicht nur in Bremen gewinnt Städtetourismus zunehmend an Bedeutung, in vielen europäischen Städten ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Bremen bewirbt sich zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 und wird sein Image als Kulturstadt profilieren. Stadtmarketing, Kunst und Kultur greifen ineinander.
Mit Tourist City mischen wir uns mit künstlerischen und diskursiven
Mitteln in einen Prozess von Stadtentwicklung im Zeichen des Tourismus ein.
Die Ausstellung, Aktionen, Filmprogramme und Vorträge begleiten diesen
Prozess mit utopischen Visionen und kritischen Reflexionen. ![]()
Im Sommer 2003 haben wir mit einer Ausschreibung KünstlerInnen angesprochen, ihre Zukunftsvisionen von Tourist City zu präsentieren. Die fachkundige Jury mußte aus über 95 Einsendungen aus aller Welt eine Auswahl treffen. Die KünstlerInnen nehmen sich der Sehnsüchte und Ängste der Besucher und Bewohner an. Sie untersuchen touristische Blicke sowie die Bedingungen unter denen Tourismus stattfindet. Sie eröffnen visionäre Gedankenräume, die auf neue Formen des Tourismus und des medialen Erlebens verweisen.
An vier prägnanten Ausstellungsorten und im Stadtraum sind 26 Arbeiten von KünstlerInnen aus sechs Ländern realisiert.
Vom Künstlerhaus Bremen auf der Neustadtseite der Weser ist es ein kurzer Weg über die Teerhofinsel durch die touristischen Zentren Schlachte und Böttchertraße zu dem Touristcity-Ladenlokal im Handwerkerhof.
Im Speicher XI ist die Belebung der alten Hafengebiete hautnah zu spüren. Hier, im Bremer Zentrum für Baukultur, ist neben der Ausstellung ein `Hintergrundmagazin´ eingerichtet, mit Texten, Videos und Publikationen zum Thema `Städtetourismus´.
Der Wasserturm des Kulturzentrums Schlachthof bietet einen eindrucksvollen
Blick über Bremen und ist für Musik- und Theaterfreunde eine feste
Adresse. Auf allen Ebenen sind hier künstlerische Arbeiten ausgestellt.
Jeden Sonntag startet im Schlachthof eine Rundfahrt zu den anderen Ausstellungsorten.
Kombinierte Stadt- und Kunstführungen informieren über Tourist City
und Bremen. ![]()
Weitere künstlerische Aktionen, Filmprogramme und Vorträge finden hier, aber auch an der Schlachte, auf dem Bremer Campingplatz, in der Innenstadt und im Wienerhof Café statt. Die genauen Termine sind dem Programm, der Internetseite (www.touristcity.de) oder der Tagespresse zu entnehmen.
Zum Auftakt von Tourist City kann man Ersatzverkehr 2004, eine Stadtrundfahrt auf Abwegen erleben. Die Berliner Theatergruppe von Lajos Talamonti präsentiert eine groteske, komische Irrfahrt im Reisebus: Während die Reiseleiterin noch die Sehenswürdigkeiten Bremens beschreibt, ist der Bus schon auf Abwegen....
Zur Eröffnung der Ausstellung am Samstag, den 6.Juni laden
wir Sie ganz herzlich in den Schlachthof ein. Die Bremer Künstlerin Mechthild
Hettich und ihr Ensemble werden die Ausstellung einsingen. Ihre Planungen zu
einem neuen Erlebnispark in Las Vegas `bin city´ wird die Wiener Architektin
Gabu Heindl präsentieren und Ieva Dzintare und Ojars Apinis stellen ihre
Bremen- Recherchen in einer Multimedia Show vor.
You are welcome!
Vera Kandzia, Susanna Dagny Mohr, Jens Werner